Numismatik

Münzen-Namen: Herkunft, Entstehung, Bedeutung

Es gibt eine ganze Reihe sehr merkwürdiger Namen für Münzen, die eine kleine Geschichte dazu zu erzählen haben.

Die Etymologie (griechisch ετυμολογία, etymología – aus έτυμος, étymos, „wahrhaftig, wirklich, echt“ und λόγος, lógos, „das Wort, die Lehre, die Kunde“) ist ein Wissenschaftszweig, der die Herkunft der Wörter ergründet und damit, wie sich ihre Bedeutung und Form entwickelt haben.

In Märchen schleppt der Held so manchen Batzen mit sich herum. Dagobert Ducks Taler häufen sich zu gigantischen Bergen. Den Schweizern sind Rappen und Vreneli gut bekannt. Die Amerikaner bezahlen heutzutage kaum noch mit Cash. In Deutschland bekommt man 10 Pfennige für seinen Groschen. Bevor der Euro in unsere Finanzwelt Einzug gehalten hat, galt an seiner Stelle bis zum 31.12.1998 der Ecu als Rechnungseinheit.

Auch gibt es eine ganze Reihe sehr merkwürdiger Namen für Münzen, die eine kleine Geschichte dazu zu erzählen haben. Manche nehmen auf die Art ihrer Herstellung Bezug, manche auf das Bild oder das Aussehen der Münze, andere wiederum auf besondere Anlässe oder unsaubere Regierungsmethoden des Regenten. Die Namen und Geschichten sind oft schon sehr alt. Wie entstanden sie? Dazu hier mehr.

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Sag mir, wie Du heißt und ich sage dir, woher Du kommst

  • Batzen: Der Batzen war eine silberne Scheidemünze, die zuerst in Bern geprägt wurde mit einem Bild des Bären (Bätz) und so seinen Namen bekam. Der Batzen war vor allem in Süddeutschland im Umlauf und galt zwölf Pfennig. Von ihm ist allerdings nur der Familienname Batzenschlager geblieben: ein Münzername - Zahl und Bild wurden dem Rohling mit einem Prägestempel aufgeschlagen. 
  • Biessli (Piécette): Siebenkreuzermünze der Stadt und des Kantons Fribourg/Schweiz. Die Biessli wurden von 1787-1797 im Wert von 1/24 französische Laubtaler geprägt. Vor Gründung der Republik Helvetia gab es in folgenden Städten und Kantonen Biessli zu 6 bis 6 2/3 Kreuzer: St. Gallen, Appenzell, Neuenburg und Luzern. 
  • Cash (Käsch): So erstaunlich es klingt, Cash ist ein indisches Wort = Sanskrit Karscha, deutsch. Käsch. Es stellt den kleinsten ostindischen Münzwert dar. Im 16. Jh. breitete sich diese Münze über ganz Ostasien aus. Um die Mitte des 19. Jhs. wurden in China alle Arten des eigenen gelochten Bronzegeldes (Ch'ien) Käsch genannt. Von den chinesischen Ch'ien (oder Ch'üan)-Münzen wird angenommen, dass sie schon im 12. Jh. v. Chr. in China als runde Münzen eingeführt wurden. Die ältesten Ch'ien haben ein rundes Loch in der Mitte, seit dem 6. Jh. v. Chr. ein quadratisches. In fast unveränderter Form blieb diese Münze drei Jahrtausende das wichtigste Zahlungsmittel Chinas. 
  • Ecu: Wer glaubt, der Ecu sei eine Erfindung im Zuge der Wirtschaftsreformen der EU, irrt. Ecu ist abgeleitet von ecu "Wappenschild" und die französische Bezeichnung des Talers gewesen. Der Ecu ohne Zusatz entstand unter Ludwig XIII. 1641 und unter Ludwig XIV. (1661-1715) mit Lilienschild. Als Ecu d'or ist er jedoch schon älter. Der Ecu d'or ist die älteste französische Goldmünze seit Ludwig IX. (1266-1270) im Wert von 10 Sols (Schillingen) à 12 Deniers tournois. Der Ecu d'or war neben den Floren und Dukaten die wichtigste europäische Goldmünze vom 14.-17. Jahrhundert.
  • Farthing: Der Farthing ist eine sprichwörtlich kleine Münzeinheit. Das Wort stammt aus dem altenglischen feordheling und war englische Münzeinheit seit dem 13. Jh. bis 1956. Ein Farthing = fourthling "1/4" entsprach 1/4 Penny.  
  • Franc: Französische Münze (erst Gold, dann Silber, später verschiedene Metalle) seit dem 14. Jh. Bezeichnung für die Schweizer Münze seit 1799, dabei 1 Franc = 10 Batzen. Ausserdem ist der Franc Münzeinheit in Belgien, Monaco, Luxemburg und den französischen und belgischen Kolonien.
  • Franken: Bezeichnung für den Schweizer Franc seit 1850. 1 Franken = 100 Rappen.
  • Groschen: Das Wort Groschen kommt von lateinisch grossus denarius turnosus "dicker Pfennig von Tour" abgeleitet, auf französisch Gros tournois. Nach dem Vorbild des Gros tournois wurden um 1300 die Prager Groschen und 1338 die Meissner Groschen gestaltet. Diese wiederum beeinflussten fast das ganze deutsche Münzwesen, so dass der Groschen zu 12 Pfennigen eine weitverbreitete Handelsmünze wurde. Heute gibt es Groschen nur noch in Österreich. In Deutschland werden umgangssprachlich Zehnpfennigstücke so genannt.
  • Heller: Ein Heller und ein Batzen, die waren beide mein": So beginnt ein früher viel gesungenes Trinklied. Albert Graf von Schlippenbach hat es 1830 geschrieben, und es gehört bis heute zum "Liedgut" der studentischen Verbindungen. Es singt von zwei Geldstücken, die heute längst nicht mehr im Gebrauch sind, an die aber nicht nur alte Trinklieder, sondern auch unsere Familiennamen erinnern. Über den Wert dieser Münzen gibt das Lied eine eher ungefähre Auskunft: "Der Heller ward zu Wasser, der Batzen ward zu Wein", heißt es da weiter. Der Heller war eine in Schwäbisch Hall geprägte Münze, die eigentlich Haller hieß, aber im Verlauf der Sprachentwicklung zu Heller umgelautet wurde. Er galt einen halben Pfennig. Wer Heller genannt wurde, war ein "armer Schlucker". Das waren viele im ausgehenden Mittelalter. Kein Wunder also, dass heute mehr als 20 000 Heller heißen, dazu kommen noch 12 000 Haller.

        5 Heller

  • Hundertmark: Wer Hundertmark heißt (immerhin etwa 2500 Personen), hatte einen vermögenden Vorfahren. Der Name bedeutet aber nicht, dass der nun 100 Markstücke besaß oder mehr, denn die Mark als Geldmark wurde erst nach 1871 die Münzwährung des Deutschen Reiches. Mark war damals ein Münzgewicht von etwa 233 Gramm Silber. Wer hundert Mark Silber besaß, war wohlhabend.
  • Laubtaler auch "Lorbeertaler" und "Franzgeld" genannt, ist die volkstümliche Bezeichnung für die französischen Ecu aux lauriers der Jahre 1726-1790. 
  • Mark: Seit dem 9. Jh. ist Mark eine Gewichtseinheit, die im 11.-12. Jh. das Karolingische Pfund als Währungsgrundgewicht ablöste. Die Mark in Gold teilte man in 24 Karat zu 288 Grän; die Mark in Silber entsprach 8 Unzen oder 16 Lot oder 64 Quentchen. 
  • Obolus: Obol oder obolos heisst altgriechisch "Bratspieß" oder "Eisenspieß", der als Gerätegeld und Kultgabe diente. Der Obolos hatte einen Wert von 1/6 Drachme. Die Drachme bedeutete ursprünglich "eine Handvoll" (Bratspieße = Gerätegeld). Der attische Obolos in Silber wog etwa 0,73 g und stellte damit eine kleine Münze unter anderem für wohltätige Zwecke dar. Daher die Redewendung "seinen Obolus entrichten" im Sinne von "seinen Beitrag zahlen". 
  • Penny: Der englische Penny (Plural Pence) wurde nach karolingischem Vorbild ebenfalls erstmals im 8. Jh. geprägt. Bis 1351 war er in England die alleinige Münze. 1351 kamen der Groat = 4 Pence und 1504 der Schilling = 12 Pence und seit 1625 das Pfund = 240 Pence hinzu. Seit 1971 gilt in Großbritannien jedoch auch das Dezimalsystem, so dass 1 Pfund = 100 Pence wert ist.
  • Pfennig ist die althochdeutsche Bezeichnung für den Denar seit den Karolingern Der Pfennig blieb bis zur Einführung des Groschens (1266) 500 Jahre lang das einzige Münznominal. Seit 1266 galt der Pfennig als 1/12 Groschen. Diese Zeit - vom 8.-13. Jh. nennt man deshalb auch die Pfennigzeit. Bis Mitte des 18. Jhs. wurde der Pfennig fast nur in Silber und Billon geprägt, dann wurde Kupfer der meistverwendete Werkstoff. Seit 1871 gilt der Pfennig 1/100 Mark. 

         Die seltenste Münze der BRD: Das 50 Pfennig-Stück aus dem Jahr 1950

  • Pfund: Aus dem lateinischen pondus = Gewicht, gotisch = pund, Althochdeutsch = phund. Das Pfund war zum einen Gewichtseinheit seit der Römerzeit (libra, daher die Abk. L). Auf das karolingische Pfund kamen 20 Schillinge à 12 Denare, ein System, das in der englischen Währung bis 1971 Gültigkeit hatte. Als Währungseinheit ist das Pfund noch heute gültig in: Commonweath, Ägypten, Libyen, Zypern, Türkei (Lira), Syrien (Lira), Libanon (Livre), Sudan (Piaster).In Israel galt das Pfund bis 1980, in Südafrika bis 1960. 
  • Rappen: Dunkelfarbiger Pfennigtyp des 14. Jhs. in den oberrheinischen Gebieten. Man glaubte, dass der Name Rappen für die Pfennige der Grafen von Rappoltstein wegen ihres Rabenkopfes so hießen. Heute geht man jedoch davon aus, dass die dunkle Farbe der Münze den Namen gab. "rapp" bedeutet im Althochdeutschen nämlich soviel wie "dunkel", so auch "Rappen" = "schwarzes Pferd".
  • Scherf(f): Während der Familienname Pfennig - ohne jegliche Wertung - besagt, dass der zinspflichtige Bauer seine Abgaben in Geldwert zu leisten hat, ist auch der Name Scherf(f) ein "Armer-Schlucker-Name". Der Scherf galt ebenfalls einen halben Pfennig und ist wortgeschichtlich mit Scherben verwandt. Wir kennen ihn als das "Scherflein" der armen Witwe in Luthers Bibelübersetzung. Da es nicht nur viele arme Witwen gab, ist auch Scherf(f) mit etwa 6500 Namensträgern relativ häufig: prominenter Träger des Namens ist Bremens ehemaliger Bürgermeister Henning Scherf. Einen halben Pfennig wert war auch der Helbling (450 Namensträger).
  • Sechser: Heute ist in einigen Gegenden Deutschlands das 5-Pfennig-Stück unlogischerweise ein "Sechser". Ein Sechser war die volkstümliche Bezeichnung für das Sechsfache von Kreuzer, Batzen, Groschen oder Pfennig. Der Halbgroschen war seit Jahrhunderten bis 1871 ein Sechser (= 6 Pfennige) wert. Deshalb behielt man den Namen bei für die Halbgroschenmünze, auch wenn diese seit 1871 ein 5-Pfennig-Stück ist. 
  • Stäbler: auch Stebler, sind Baseler Hohlpfennige vom 14. - 16. Jh. Die Pfennige erhielten ihren Namen aufgrund des Stadtwappens, das einen Bischofsstab enthält. Er setzte sich im gesamten Gebiet des Rappenmünzbundes durch. Von 1403 an war er zusammen mit dem Rappen die Hauptmünze des Schweizer Bundes. 
  • Taler: Groß-Silbermünze vom 16. - 19. Jh. Diese Münze löste im ausgehenden Mittelalter die wegen Goldmangels knapp gewordenen Goldmünzen ab. Der Name leitet sich von den Münzen der Grafen Schlick ab, die zwischen 1520 und 1528 zwei Millionen Joachimstaler schlagen ließen. Durch diese enorme Menge wurde die Münze zum Synonym für die Talergepräge im Allgemeinen. Der Name Taler in anderen Sprachen: Daler (Dänemark und Schweden), Tallero (Italien) Talar (Polen), Thallard (Lothringen), Daalder (Niederlande), Dollar (USA), Jocondale (Frankreich). In Deutschland wurde der Taler seit 1872 nicht mehr geprägt, blieb aber im Wert von 3 Mark noch viele Jahre in Umlauf. 
  • Vreneli ist eine in der Schweiz benutzte volkstümliche Bezeichnung der goldenen 10-, 20- und 100-Franken-Stücke, die von 1897 bis 1949 geprägt wurden. Auf der Vorderseite ist unter der Landesbezeichnung "Helvetia" ein Mädchenkopf zu sehen. Das ist das Vreneli (= Kurzform von Veronika).

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Münznamen, die auf die Herstellung Bezug nehmen

  • Gefütterte Münzen: So werden Münzen genannt, die unter ihrer Gold- oder Silberoberfläche einen Kern aus Kupfer oder Bronze haben. Es handelt sich oft nicht um gefälschte Münzen, sondern um Verfälschungen im Auftrag des Münzherrn. Man nennt sie auch Subaerati. Sie sind besonders bei römischen Denaren der Kaiserinnen des 1. Jhs. n. Chr. zu finden.
  • Gun money "Kanonengeld": Dieser Begriff zielt nicht auf den Zweck, etwa "Geld für Kanonen", wie man zunächst meinen könnte, sondern auf das Material, aus dem die Münze hergestellt wurde, nämlich aus Kanonenmetall. Gun money wurde unter Jakob II. in Irland von 1689-1691 als Notgeld geprägt.
  • Sandwichmünzen: Diese Münzen sind aus verschiedenen Schichtwerkstoffen hergestellt, z.B. 2-DM- und 5-DM-Stücke der Bundesrepublik Deutschland. Dieser Werkstoff wird MAGNIMAT genannt. Er besteht aus Kupfernickel an den Oberflächen und hat einen magnetisierbaren Nickelkern. Dadurch ist er automatensicher.

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Münznamen, die auf das Bild Bezug nehmen

  • Düttchen: In Ost- und Westpreußen nannte man das 3-Groschen-Stück seit dem 16. Jh. Düttchen. Die Münze war sehr weit verbreitet, auch in Südostdeutschland und Ungarn. Der Name kommt wahrscheinlich von dem polnischen Wort "dudek" = Wiedehopf. Mit diesem Vogel spielte man spottend auf den Reichsadler an, der auf der Münze abgebildet war. Der Name ging im Volksmund auf die preußischen Silbergroschen und später auf das 10-Pfennig-Stück über, das gelegentlich noch heute so genannt wird. 
  • Hahnekämme: So nannte man die brandenburgischen 2-Pfennig-Münzen, die von 1670-1700 geprägt wurden. Sie erhielten ihren Namen wegen der Palmzweige auf der Rückseite der Münze, die wie Hahnenkämme (siehe Sterbemünzen) aussehen. 
  • Nasenblutengulden: So bezeichneten die Leute den 2/3-Taler von 1693 des Kurfürsten Ernst August von Hannover. Der Name kam zustande, weil wegen eines Münzstempelrisses unter der Nase des Fürsten ein Bild entstand, das wie Nasenbluten aussieht. 
  • Papphahn: Papphahn wurde Anfang des 17. Jhs. das mecklenburgische 4-Schilling-Stück betitelt, das wegen der Darstellung des Reichsadlers diesen Spottnamen bekam, denn Papphahn = Papageienhahn. Der Name blieb, auch als die späteren 4-Schilling-Stücke ein anderes Gepräge hatten. Auch die Schreckenberger von Braunschweig, Hessen und Sachsen nannte man so. 
  • Rumpelheller: Dies war der volkstümliche Name für den Heller der Stadt Breslau von 1422. Das Bild zeigte das Gesicht des Hl. Johannes. Die Breslauer glaubten, in dessen Ausdruck die Züge ihres ungeliebten Ratsherrn Rumpel wiederzuerkennen. 
  • Sargnägel: Sargnägel oder Sargpfennige ist die makabre Bezeichnung für mittelalterliche Hohlpfennige des Bistums Halberstadt. Auf ihnen ist der Hl. Stephan dargestellt. Sein Oberkörper ist jedoch viereckig wie ein Sarg gebildet, und sein asketisches Gesicht ähnelt einem Totenschädel. 
  • Satansmünze: Als Satansmünze bezeichnete man den böhmischen Pfennig des Herzogs Wladislaus I. (1107-1125) mit dem Kopf Satans und der Umschrift Satanus. Der Kopf trug Hörner, war langnasig und hatte struppiges Haar, die wie ein Hahnenkamm wirkten. Der Herzog ließ die Münze prägen, als unerklärliche Naturerscheinungen auftraten, die man als Werk Satans ansah. 
  • Schlafrocktaler: So nannte das Volk spöttisch den seltenen Konventionstaler von 1816, der unter Friedrich August I. von Sachsen (1806-1827) geprägt wurde. Der Name ist auf den zu weiten Uniformrock des Königs zurückzuführen. 
  • Schwanzdukaten: So oder auch Zopfdukaten nannte das Volk die Dukaten Friedrich Wilhelms I. von Preußen. Sie zeigten das Brustbild des Königs mit Zopf. Auch seine Taler, Gulden, Tympfe und Groschen wurden so bezeichnet. 
  • "Schweinegeld" (hog money): Schweinegeld ist kein Naturalgeld, wie man zunächst glauben könnte, sondern eine Münze. Hog money sind Kupferschillinge von England, die für die Bermuda-Inseln im 17. Jh. geprägt wurden. Auf der Vorderseite ist ein Dreimaster, auf der Rückseite ein Wildschwein (= hog) abgebildet. 
  • Wespentaler: So oder auch Mückentaler nannte man den Taler von 1599, den Herzog Heinrich Julius von Braunschweig ausgab. Die Rückseite des Talers zeigt einen Löwen, der von zehn Wespen angegriffen wird, und einen Adler, der beschützend über dem Löwen dahinfliegt. Die Wespen sollen die zehn Geschlechter darstellen, die gegen den Herzog rebellierten. Der Adler symbolisiert den kaiserlichen Schutz, der ihm zuteil wurde.

Münznamen, die auf unsaubere Methoden des Regenten Bezug nehmen

  • Bartkopeken: Unter der Bezeichnung Bartmarken wurde von Zar Peter dem Grossen (1682-1725) in Russland 1705 diese Münze eingeführt. Die Kupfermarken galten als Quittung für die bezahlte Bartsteuer. Peter der Grosse ließ zur Finanzierung des Nordischen Krieges (1700-1721) vielerlei besteuern, so auch Ofenrohre, Brennholz, Mützen und Stiefel. 
  • Ephraimiten: Veitel Ephraim war Münzpächter und betrieb die Münzstätte in Leipzig unter Friedrich dem Grossen (1740-1786). Infolge des Siebenjährigen Krieges beauftragte ihn der König, die Silbermünzen systematisch zu verschlechtern. Man schrieb aber nicht dem König diese Geldverschlechterung zu, sondern seinem Münzpächter Ephraim. Das Volk spottete über die Münzen: "Von außen schön, von innen schlimm, von außen Friedrich, von innen Ephraim". 
  • Seufzer: Seufzer ist die volkstümliche Bezeichnung für die sächsischen 6-Pfennig-Stücke der Jahre 1701 und 1702. Diese waren in riesigen Mengen (ca. 28 Millionen) unter Friedrich August I. (dem Starken) von Sachsen (1694-1733) in Umlauf. Sie waren stark unterwertig ausgeprägt, d.h. sie enthielten sehr viel Kupfer anstelle des Silbers. Dadurch sank die Kaufkraft stark. Das Volk war davon schwer betroffen und "seufzte" unter der schlechten Münze. 
  • Tympfe: Andreas Tympf war namensgebend für eine polnische und preußische Münze. Tympf war Münzpächter und prägte zwischen 1652 und 1667 in verschiedenen Münzstätten. Die von Münzpächter Andreas Tympf geschlagenen 1/3-Taler (Guldentympfe genannt) fielen in ihrem Wert von 30 Groschen auf 18 Groschen. Tympfe wurden auch von Preußen von 1749 bis zum Siebenjährigen Krieg (1756-1763) in großen Mengen geprägt. Sie verschlechterten sich aber während des Krieges so stark, dass sie von der Bevölkerung nicht mehr angenommen wurden und die Prägung 1765 eingestellt werden musste.

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Münznamen, die auf einen besonderen Anlass Bezug nehmen

  • Ausbeutetaler: Der Name Ausbeutetaler hat nichts mit Ausbeuten im Sinne von "die Arbeitskraft eines Menschen ausnutzen" zu tun, sondern es handelt sich dabei um Taler aus der Ausbeute einer Silbergrube, deren Bild oder Name auf der Münze erkennbar ist. Es gibt auch noch andere Ausbeutemünzen: Dukaten, Gulden und Groschen.

        Der preußische Ausbeutetaler "Segen des Mansfelder Bergbaues"!

  • Beichttaler: So bezeichnete man die Taler des Kurfürsten Johann Georg II. von Sachsen (1656-1680). Es hieß, der Kurfürst habe die Taler als Beichtgeld prägen lassen, die im 17. Jh. zeitweise als feste Abgabe des Beichtenden an den Beichtvater gezahlt werden mussten.
  • Gottesfreundtaler: Diesen Spotttaler ließ Herzog Christian von Braunschweig, der von 1616-1629 Bischof von Halberstadt war, mit Kirchensilber besonders des Paderborner Domes prägen. Auf der Vorderseite steht "Gottes Freundt, der Pfaffen Feindt", daher der Münzname.
  • Pfaffenfeindtaler: Der Pfaffenfeindtaler ist ein Spotttaler des Herzogs Christian von Braunschweig, der von 1616-1629 Bischof von Halberstadt war. Auf der Vorderseite steht "Gottes Freundt, der Pfaffen Feindt". Diese Münzen wurden 1622 aus Kirchensilber geprägt. Nachprägungen gibt es aus der Zeit um 1671, als Rudolf August von Braunschweig den Bischof von Münster befehdete.
  • Rebellentaler: Der Rebellentaler von 1595 ist ein Spotttaler des Herzogs Heinrich Julius von Braunschweig-Wolfenbüttel (1589-1613). Er zeigt auf der Vorderseite den braunschweigischen Wilden Mann, dessen Speerspitze von einem Hund geleckt wird. Auf der Rückseite sieht man die Rotte Korah im Wappenkranz. Die Rotte Korah ist im Alten Testament ein horitisch-edomitisches Geschlecht, das sich an Juda anschloss und versuchte, zu Priestern aufzusteigen, was ihnen verboten war.
  • Schnapphahn (Snaphan): Schnapphahn nannte man die berittenen Straßenräuber in Geldern im 15. Jh. Diesen Namen bekam auch der Dukaton des Herzogs Karl von Geldern (1492-1538), weil die Reiter auf der Vorderseite der Münze an solche Straßenräuber erinnerten.
  • Sterbemünzen (allg.): Sterbetaler oder Sterbemünzen sind Prägungen, die nach dem Tod des Münzherrn oder dem Tod von Angehörigen des Münzherrn mit deren Sterbedatum versehen sind.
  • Wahrheitstaler: Als Wahrheitstaler bezeichnet man den Taler von 1597 des Herzogs Heinrich Julius von Braunschweig (1589-1613). Darauf ist eine Personifikation der Wahrheit zu sehen, die die Lüge zertritt. Damit wollte der Herzog seine Gegner treffen, die ihn verleumdeten (siehe auch Rebellentaler).

Sonstige merkwürdige Namen

  • Blaue Mäuse (Blaumüser): So hießen in den Niederlanden die Halbstüber (siehe Stüber), die von der Stadt Nimwegen seit 1527 geprägt wurden. "Blau" bedeutete im Niederländischen soviel wie "geringwertig". Die Halbstüber enthielten nur wenig Silber, daher der Name. 
  • Fettmännchen - Magermännchen: Fettmännchen sind 8-Heller- oder Halbstüberstücke (siehe Stüber), die im Rheinland von 1583-1737 in Umlauf waren. Anfangs waren sie aus Silber, später aus Billon (siehe Material). Für den Namen gibt es zwei Erklärungen: 1. Fettmännchen waren gegenüber den Groninger Magermännchen (1577-1609 geprägt) doppelt soviel wert, 2. der Name war von dem schmierigen Aussehen aufgrund des häufigen Gebrauchs der Münze abgeleitet. 
  • Käsch (Cash): Dieses Wort gibt die deutsche (englische) Schreibweise für die runde chinesische Bronzemünze mit Loch in der Mitte wieder. Die original chinesische Bezeichnung lautet Ch'ien. Das Wort stammt aber ursprünglich aus dem Sanskrit und wurde Karscha ausgesprochen. Käsch stellte den kleinsten ostindischen Münzwert dar und verbreitete sich im 16. Jh. über ganz Ostasien. 
  • Maria-Theresien-Taler: Nicht merkwürdig, aber absolut einmalig ist der Maria-Theresien-Taler. Dieser Taler mit dem Bild der Kaiserin Maria Theresia (1740-1780) war bald eine der wichtigsten Handelsmünzen in der Levante. Bis ins 20. Jh. blieb er gültiges, manchmal sogar das einzige von der Bevölkerung akzeptierte Zahlungsmittel. Man prägte ihn über 200 Jahre lang immer wieder neu. Die in dieser Zeit geprägte Menge wird auf 300 000 000 bis 400 000 000 Stück geschätzt. Eine solche Prägezahl wurde von keiner anderen Silbermünze je erreicht. 
  • Mühlsteine: Mühlsteine waren kein Gerätegeld, wie man denken könnte, sondern ein anderer Name der Schreckenberger. 
  • Regenbogenschüsselchen: Bauern in Süddeutschland bis nach Böhmen und Ungarn fanden nach Regenfällen wohl immer wieder mal eine Goldmünze, die wie eine kleine Schüssel geformt war. Sie glaubten, dass am Ende eines Regenbogens diese Münzen ins Feld gefallen seien. So entstand der Name. In Wirklichkeit handelt es sich bei diesen Goldmünzen um keltische Münzen, die meisten von ihnen datieren aus dem 1. Jh. v. Chr. 
  • Schreckenberger: So oder auch Engelgroschen nannte man die sächsischen Groschen, die von 1498-1571 aus dem Silber des Schreckenbergs bei St. Annaberg geprägt wurden. Die ersten Schreckenberger wurden in einer alten Mühle geschlagen und bekamen deshalb den Namen Mühlsteine. 
  • Stüber oder Stüver: Stüber waren deutsche Nachahmungen der niederländischen Stüver im Wert von 2 Deut oder 4 Pfennigen. Die Münze wurde über 300 Jahre lang als Zahlungsmittel benutzt (Ende 15.bis Anfang19. Jh.). 
  • Wanzen: Im 18. Jh. kursierten Bayreuther und ähnliche Pfennige, die wegen ihrer roten Farbe, d.h. mit einem geringen Silbergehalt, und ihrer Kleinheit die Sachsen zu dieser despektierlichen Namensgebung anregten. Als Sachsen seit 1772 Pfennige aus Kupfer prägte, verschwanden die Wanzen-Pfennige wenige Jahre später.

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